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Die liebliche Provinz (3)

Drei Nächte voll düsterer Gedanken war sie nun schon gewandert, und auch wenn sie grob in die richtige Himmelsrichtung unterwegs war, hatte sie doch nicht die leiseste Ahnung, wo sie sich befand. Gelegentlich sah sie Gehöfte, Landgüter oder kleine Dörfer, und in früheren Zeiten wäre sie dort sicher eingekehrt. Doch zu wenig hatte sie in den letzten Jahren von der Außenwelt erfahren, und zu beunruhigend waren die wenigen Nachrichten, die durchdrangen. Riana hielt sich lieber von Menschen fern.

Dann jedoch, in der vierten Nacht, sah sie ein Feuer auf einem Hügel, und Neugier siegte über Vorsicht. Behutsam schlich sich Riana näher, um einen Blick zu riskieren. Der Hügel war steinig, aber nicht besonders steil, und Felsen, Baumskelette und verdörrtes Dornengestrüpp boten ausreichend Deckung. Außerdem machten die Menschen am Feuer genug Lärm, um Rianas Annäherung zu übertönen.

Nachdem sie in guter Deckung Position bezogen hatte, betrachtete sie das Geschehen genauer, und ein Schauder überlief sie. Ein gutes Dutzend nackte Männer und Frauen bewegte sich in einem langsamen, rhythmischen Tanz um das Feuer und intonierte einen rituell anmutenden Gesang. Auf ihrer Haut mischten sich Schweiß und eine rotbraune Paste, mit der sie sich eingerieben hatten. Eine alte Frau schwang einen Stab, der von einem Ziegenschädel gekrönt wurde. Sie schien so etwas wie eine Priesterin zu sein und übertönte den raunenden Gesang immer wieder mit Lobpreisungen an die Götter der Erde.

Also waren die Gerüchte wahr. Riana hatte davon gehört, dass sich manche, enttäuscht über Savor, den Sonnengott des Imperiums, wieder den Götzen zuwandten, die die Menschen von Benevia vor der Eroberung durch das Imperium verehrt hatten. Streng genommen war dieser Glaube nie durch Gesetz verboten gewesen, doch die heilige Sonnenkirche hatte eifrig missioniert, und nach und nach war die alte Religion immer mehr in Vergessenheit geraten. Und doch hatte es immer noch ein paar gegeben, eine Wahrsagerin hier, eine Kräuterfrau dort, die von alten, namenlosen Götzen sprachen, der Mutter Erde und ihren Kindern.

„Oh Mutter aller Mütter, Schoß des Lebens“, intonierte die Alte, „wir bitten dich um Fruchtbarkeit für unsere Äcker und auch für uns. Nimm unser Opfer an, und schenke uns eine gute Ernte und viele Kinder!“

Barbarisch, dachte Riana. In der heiligen Sonnenkirche gab es schon lange keine Blutopfer mehr. Irritiert suchte sie nach dem Opfertier, bis ein abgemagerter, schwächlich aussehender junger Mann an das Feuer trat, wo ein großer flacher Findling wohl als Opferaltar diente. Ein Menschenopfer? Entsetzt schüttelte Riana den Kopf und wandte sich ab, um wieder von dem Hügel hinunter zu klettern. Sie hatte genug gesehen.

Doch in ihrer Eile, sich von diesem Ort zu entfernen, passte sie nicht auf und trat einen Stein los, der den Hang hinunter polterte, gerade als der rituelle Gesang verstummte. Die Köpfe der Kultisten wandten sich in ihre Richtung.

„Wer da?“ keifte die Alte. Rianas dachte einen Sekundenbruchteil darüber nach, mit ihnen zu reden, doch dann entschied sie sich zur Flucht. Sie baute darauf, dass den Kultisten ihr Ritual wichtiger wäre als die Verfolgung eines Eindringlings. Unglücklicherweise war es eine mondhelle Nacht, und die Deckung reichte zwar zum Anschleichen, bei einer heillosen Flucht jedoch würde man sie schnell entdecken.

„Die Mutter Erde sendet uns ein Zeichen“, intonierte die Alte hinter ihr. „Jorin, du wirst leben! Bringt mir diesen Eindringling, er soll unser Opfer sein!“

Riana fluchte innerlich und verfiel in einen schnellen Dauerlauf. Warum hatte sie nicht einfach stillhalten können? Jetzt also hatte sie eine Bande von Kultisten hinter sich, die sie den Göttern der Erde opfern wollten. Immerhin, die waren barfuß, und Riana trug festes Schuhwerk. Das glich den Nachteil ihres schweren Rucksacks wieder aus.

Dann hörte sie ein seltsames Geräusch, wandte den Blick, und wäre um ein Haar gestürzt, als sie sah, was sie verfolgte: Zwei Landsegler, Dreiräder mit kräftiger Stahlfederung und einem einzelnen, dreieckigen Segel, schossen hinter dem Hügel hervor. Hinten hockte jeweils ein Pilot, der das Segel bediente und das Gefährt lenkte. Und vorn saß jeweils ein Bogenschütze. Ein erster Pfeil zischte an Riana vorbei, und die Landsegler holten schnell auf. Die Nacht war windig.

„Langsam wird es albern“, murmelte Riana und stemmte ihren Zynismus gegen die Wellen der Verzweiflung, die in ihre aufstiegen. Sie schlug einen Haken, um einem weiteren Pfeil auszuweichen, und wandte sich in die Richtung, aus der der Wind kam. Auf See konnte ein Schiff gegen den Wind kreuzen, doch ein Landsegler, der auch noch Hindernissen ausweiche musste, hatte dazu kaum eine Chance. Nur über den nächsten Hügel, dann wäre sie in Sicherheit. Aber diese Landsegler kamen verdammt schnell näher.

Ein stechender Schmerz durchzuckte sie, als eine Pfeilspitze sich in ihre Hüfte bohrte. Sie strauchelte, auf der Hügelkuppe angekommen. Für einen Moment war sie kurz davor, einfach aufzugeben. Doch der Gedanke an Saia, an ihre Mutter, an ihr Dorf ließ sie den nächsten, humpelnden Schritt machen. Sie wandte sich um und sah, dass die Kultisten am Fuß des Hügels von ihren Landseglern sprangen und die Verfolgung aufnahmen. Weitere Kultisten waren zu Fuß gefolgt und auch nicht mehr fern.

Mit einem Mal fühlte Riana sich ganz ruhig. Ihre Hand fand den Blitzwerfer mit sicherem Griff. „Gleich werde ich wissen, ob du mich wirklich vergessen hast, Savor“, flüsterte sie und zog die Waffe.

Doch dann, plötzlich, war da etwas, ein Beben in der Luft, nicht unähnlich jenem, das ein starker Levitationskristall verursachte. Einen Wimpernschlag später fühlte Riana sich von einer Welle aus Schwindel und Übelkeit überrollt. Sie sah noch, wie die Kultisten unter derselben Welle zusammenbrachen, dann drehte sich alles um sie, und sie rollte ohnmächtig in den Staub.

© Frank Tarcikowski

18.4.07 13:08


Die liebliche Provinz (2)

Bedächtig zog Riana das Schwert aus der Scheide und bewegte es hin und her, so dass das Licht der Öllampe sich in der polierten Klinge spiegelte. Die Waffe war ein Symbol gewesen, weiter nichts. Ein Rangabzeichen, das den Gardisten nach Abschluss ihrer Ausbildung verliehen wurde. Die meisten hielten es nicht einmal scharf. Im Schwertkampf übten sie sich allenfalls aus sportlichem Ehrgeiz. Riana hatte an der Akademie zur Fechtmannschaft gehört, doch das war acht Jahre her. Acht Jahre, in denen die Welt sich verändert hatte, wie niemand es für möglich gehalten hätte.

Ein Imperialer Gardist verwendet den Schlagstock, um zu betäuben, oder den Blitzwerfer, um zu töten, so hatte man es sie gelehrt. Doch das war gewesen, bevor die Sonne und die Kristalle verrückt spielten. Mit traurigem Blick betrachtete Riana den Gleiter, der in der Garage ihrer kleinen Wache abgestellt war. Als die Welt noch in Ordnung war, hätte er sie in weniger als einem Tag nach Nemeti gebracht. Bei Tageslicht. Doch jetzt würde er sie höchstens auf dem direkten Weg in die Unterwelt befördern. Sie würde zu Fuß gehen müssen.

„Komm, Saia“, rief sie und wandte sich zu ihrer Tochter um. Das kleine Mädchen kam lächelnd angelaufen, und Rianas Herz wurde schwer. Schnell schloss sie ihre Tochter in die Arme, um ihren Schmerz zu verbergen.

„Wie lange bleibst du weg, Mama?“ fragte Saia.

„Ich weiß nicht genau, Liebling“, antwortete sie und zerzauste Saias lockiges braunes Haar. „Vielleicht zwei Wochen. Vielleicht auch weniger. Oder mehr. Aber wenn ich zurückkomme, bringe ich die Garde mit, und dann wird alles gut. In der Zwischenzeit sei schön brav und mach Oma keinen Kummer, ja?“ Sie nahm ihre Tochter bei der Hand und führte sie hinaus aus der Wache, die Straße hinunter zum Haus der Familie.

Rianas Mutter sah bekümmert aus, als sie Saia in Empfang nahm. „Musst du das denn wirklich tun?“ klagte sie, nachdem sie die Kleine hinein geschickt hatte. „Saia hat schon ihren Vater verloren. Sie braucht dich. Und der Weg nach Nemeti ist lang und gefährlich dieser Tage.“

„Wir können uns von diesen Wilden nicht tyrannisieren lassen“, entgegnete Riana. „Ich werde das nicht zulassen. Noch gilt in diesem Land das Gesetz des Imperators, und nicht das Gesetz des Stärkeren!“

„Ach Liebes“, seufzte ihre Mutter. „Der Imperator ist fern, und Benevia ist nur eine unwichtige Provinz, jetzt wo die Weinberge alle verbrannt sind. Glaubst du wirklich, du wirst in Nemeti Hilfe finden?“

„Wenn ich sie dort nicht finde, nehme ich ein Schiff und segle direkt in die Hauptstadt“, schwor Riana. „Ich bin ein Mitglied der Imperialen Garde, und ich werde meine Heimat beschützen!“

„Ein Schiff?“ Die Augen ihrer Mutter weiteten sich vor Entsetzen. „Reicht es nicht, dass das Meer dir deinen Mann genommen hat? Auch die Winde spielen verrückt, hast du das vergessen?“

„Mutter!“ Rianas Miene verhärtete sich. „Was willst du von mir? Soll ich hier bleiben und zusehen, wie wir alle verhungern? Sie haben Vorräte genommen und Sonnensegel zerschnitten, und die meisten unsere Ziegen geschlachtet. Wovon sollen wir jetzt leben? Erst recht, wenn sie noch mal wieder kommen und uns noch mehr wegnehmen?“

Ihre Mutter blinzelte gegen die Tränen an. „Bleib doch wenigstens, bis du dich ein bisschen erholt hast. Dein Gesicht ist ja noch ganz geschwollen. Nach allem, was sie dir angetan haben…“ Ihre Stimme brach, und Riana schloss sie in die Arme.

„Ich komme wieder, das verspreche ich“, sagte sie, und wünschte sich, sie könnte so überzeugt davon sein, wie sie tat. Schnell griff sie ihr Bündel und wandte sich ab. Sie musste das Mondlicht nutzen, wenn sie vorankommen wollte.

Die Landschaft, durch die ihr Weg sie führte, war einst im ganzen Imperium für ihre Lieblichkeit berühmt gewesen. Sanfte Hügel, Weinstöcke, Obst- und Olivenbäume, verträumte kleine Buchten, einfache Häuser mit roten Dächern und gemütliche Menschen, die den Genuss mehr schätzen als den Streit. Das war Benevia, die liebliche Provinz. Gold, Edelsteine oder große Erzvorkommen suchte man hier vergebens, weshalb die Insel von Kriegen und Eroberungszügen meist verschont geblieben war, zumal sie schon sehr lange dem Imperium angehörte. Lediglich Erdöl gab es hier und da, und das war bis vor kurzem ein unbedeutender Rohstoff gewesen.

Im Licht des Mondes schweifte Rianas Blick nun über eine karge Einöde. Von Jahr zu Jahr war die Sonne angewachsen, waren ihre Strahlen erbarmungsloser geworden. Kein Mensch konnte bei Tag noch ohne Schutz lange überleben. Die Menschen in Rianas Dorf mussten vor Überflutungen ins Inland fliehen, plötzliche Stürme machten den Fischfang zu einem lebensgefährlichen Geschäft, und Felder und Beete mussten mit Sonnensegeln vor dem sengenden Tageslicht geschützt werden, was den Anbau auf sehr kleine Flächen beschränkte. Die Trockenheit erschwerte es weiter, eine Ernte einzubringen. Hunger, Krankheiten und Stürme hatten viele das Leben gekostet.

Riana verscheuchte diese düsteren Gedanken und konzentrierte sich auf den Weg. Zu Anfang kam sie gut voran, da sie die Gegend gut kannte. Doch nachdem sie einige Stunden unterwegs war, bewegte sie sich auf weniger vertrauten Pfaden, und ihre Landkarte nützte ihr wenig. Zu sehr hatte sich das Land verändert, und den Hauptstraßen wollte sie lieber fernbleiben, um nicht wieder Rukor und seiner Bande oder anderem Gesindel über den Weg zu laufen.

Als der Mond den Horizont küsste, machte sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Platz, um ihre Zelt aufzuschlagen. Sie fand ihn in einer windgeschützten Senke zwischen mehreren kahlen Baumskeletten. Zweimal kontrollierte sie die Knoten, ob sie auch halten würden. Das Zelt bestand aus zwei Lagen dicht gewebten Stoffs und würde die tödlichen Sonnenstrahlen fernhalten. Dennoch war es unerträglich heiß, und sie fand nur wenig Schlaf, der noch dazu von Alpträumen geplagt wurde.

© Frank Tarcikowski

18.4.07 12:14


Die liebliche Provinz (1)

Das Röhren der Motoren ließ Rianas Ohren singen. Sie spürte die Vibrationen bis hinauf in ihren vor Angst zusammen gekrampften Magen. Der Gestank von Öl und Ruß stieg ihr in die Nase, und zwei Gaslaternen blendeten sie, als der Kraftwagen vor ihr zum Stehen kam.

Insgesamt waren es vier der Gefährte, zählte Riana. Die breiten Speichenräder und die kantigen Kabinen waren mit Eisen beschlagen. Schmale Schlitze mit schrägen Blenden ermöglichten es den Insassen, nach draußen zu sehen, notfalls sogar bei Tag. Trichterförmige Ansaugstutzen versorgten den Motor im Heck mit Luft, und zwei gebogene Auspuffrohre ragten zwischen Motor und Kabine in die Höhe und spieen schwarzen Rauch aus. Vorn waren mehrere Rammsporne angebracht.

Ihr Lehrer an der Akademie in Nemeti hatte über die Verbrennungsmotoren gesagt, sie seien primitiv, störungsanfällig und auf ständigen Treibstoffnachschub angewiesen. Eine dumme Spielerei von Wissenschaftlern, die nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wüssten. Ein guter Levitationskristall sei jedem Verbrennungsmotor haushoch überlegen. Unwillkürlich legte Riana die Hand auf ihren Blitzwerfer. „Die Zeiten haben sich geändert, alter Mann“, murmelte sie.

Ächzend öffnete sich die Tür des Kraftwagens, und zwei schwarze, nietenbeschlagene Stiefel landeten im Staub. Riana blickte auf zu dem Barbaren aus dem Westen, der es wagte, sich im Herzen des Imperiums offen als Räuberbaron aufzuspielen.

Der Mann war groß, mindestens 1,90 Meter, breitschultrig und wohlgenährt. Er trug dickes schwarzes Leder, teilweise mit Nieten beschlagen, und darüber ein ärmelloses Kettenhemd. Sein langes, leuchtend rot gefärbtes Haar war an den Seiten rasiert und im Übrigen zu einem Zopf gebunden. Die rasierten Seiten seines Schädels zierten grobe Tätowierungen seiner heidnischen Götzen, Speerträger, umhüllt von Flammen. In seiner rechten Hand hielt er eine Schwarzpulverpistole mit trichterförmiger Mündung, in der linken ein Kriegsbeil.

Hinter ihm sprangen weitere Männer aus dem Wagen, ähnlich gekleidet wie ihr Anführer, und alle mit feuerrot gefärbtem Haar. Raue Männer, in deren Blick man vergebens nach Mitleid suchte. Einst dienten sie dem Imperium als Söldner, und wir hetzten sie auf unsere Feinde, rief sich Riana ins Gedächtnis. Sie straffte ihre Schultern.

„Oberst Rukor“, rief sie, so laut und fest sie konnte. „Im Namen des Imperiums fordere ich Euch auf, Eure Waffen niederzulegen und Euch dem Gesetz zu überantworten!“

Der Barbar musterte sie amüsiert von Kopf bis Fuß, dann ließ er seinen Blick über das nächtliche Dorf schweifen. Drei Dutzend Ziegelsteinhäuser mit verrammelten Türen, und ein Sonnentempel mit einem kleinen Glockenturm, vor dessen Toren einsam Riana stand. Die Uniform der Imperialen Garde glänzte golden im Licht der Gaslaternen. Der Helm verbarg ihr Haar, nicht jedoch ihr junges, weibliches Gesicht.

„Was meint ihr, Männer“, höhnte Rukor mit hartem westlichem Akzent. „Wollen wir unsere Waffen vor ihr niederlegen?“

„Flachlegen wollen wir sie“, keifte einer, dessen Haut von üblen Brandnarben gezeichnet war, wie man sie seit dem Beginn des Sonnenfeuers allzu oft antraf. „Flachlegen!“ Seine Zunge leckte nervös über seine vernarbten Lippen.

Riana riss den Blitzwerfer aus dem Halfter und aktivierte ihn. „Keinen Schritt weiter“, herrschte sie die Barbaren an und beobachtete voll grimmiger Befriedigung, wie diese verunsichert innehielten. Der Kristall im Innern des Blitzwerfers begann zu leuchten, doch es war nicht der beruhigende bläuliche Schimmer, den Riana aus früheren Zeiten kannte. Der Kristall glühte grell weiß, voller Intensität, und flackerte wild.

Heute war ein schlechter Tag. Die Sonne war unruhig gewesen, und der Kristall war es ebenfalls. Wenn sie den Blitzwerfer jetzt abfeuerte, konnte sonst was passieren. Vielleicht würde sie die Gesetzlosen vernichten, vielleicht aber auch das ganze Dorf. Riana spürte heiße Tränen der Enttäuschung in sich aufsteigen. Das war nicht fair!

„Komm schon, Mädchen, leg das Ding weg“, beschwichtigte Rukor. „Willst du uns alle umbringen? Ich verspreche, wir werden dir und deinen Schäfchen nichts tun. Wir fordern nur unseren Tribut.“

Einen Moment noch hielt Riana den Blitzwerfer mit zitternden Händen auf ihn gerichtet, dann ließ sie die Waffe sinken. „Hilf mir, Savor“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme, und ihre Finger suchten nach ihrem Schlagstock. Im nächsten Moment spürte sie einen harten Schlag, sah den Stock in den Staub segeln und fand sich am Boden wieder. Ihr Arm schmerzte, und ein unerträglicher Druck lastete auf ihrem Rücken. Durch das Rauschen in ihren Ohren hörte sie das schadenfrohe Lachen der Barbaren. Der Helm wurde ihr vom Kopf gerissen, jemand krallte die Finger in ihr kurzes, braunes Haar und zwang sie, den Kopf zu drehen. Sie starrte in Rukors dunkle Augen, in denen ein seltsames Feuer loderte.

„Dein Sonnengott kann dir nicht helfen, kleines Mädchen“, zischte er. „Hast du es noch nicht gehört? Er steht in Flammen! Die Speerträger der Weltenschmiede haben ihn mit ihren feurigen Lanzen durchbohrt. Was unsere Welt erschüttert, ist sein Todeskampf, und aus seiner Asche wird eine neue Weltordnung erstehen!“

Mit aller Kraft und Würde, die ihr noch verblieben war, spuckte Riana ihm ins Gesicht. „Eure gerechte Strafe wird Euch ereilen, mein Wort darauf“, presste sie hervor.

Rukor warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Sie ist eine richtige kleine Wildkatze“, rief er seinen Männern zu. „Wir werden unseren Spaß mit ihr haben! Haltet sie gut fest.“

Mehr Hände kamen hinzu und pressten Riana zu Boden, und jemand zerschnitt mit einem Messer ihre Uniform. Sie schrie und versuchte sich zu wehren, doch es war vergebens. Sie waren zu viele, und zu stark. Aus dem Augenwinkel sah Riana, wie andere Räuber aus den übrigen Kraftwagen sprangen, Türen einschlugen, lebenswichtige Sonnensegel zerschnitten, Vorräte und schreiende junge Frauen aus den Häusern zerrten.

Dann zwangen ihre Peiniger sie auf den Rücken, und sie sah den von Brandnarben entstellten Barbaren über sich aufragen. Mit zwei Fingern seiner Linken drang er brutal in sie ein, während er seine rechte mit Spucke befeuchtete und damit sein hässliches Glied in Form brachte. Riana schrie und wehrte sich, bis ihre Kräfte schwanden. Doch da waren sie noch lange nicht mit ihr fertig.

© Frank Tarcikowski

18.4.07 00:24


Erster Eintrag!

Ich kann es nicht lassen: Statt mich auf BARBAREN! zu konzentrieren, muss ich parallel bereits mit Aller Tage Abend anfangen. Eine Regel-Idee habe ich bereits neulich auf Wilde Lande gepostet. Tragisch und poetisch wie Polaris soll es sein, aber menschlich wie The Shadow of Yesterday. In your face wie Unknown Armies und hart wie The Riddle of Steel. Ich habe mir einiges vorgenommen.

Aber jetzt folgt erst mal ein bisschen Fiktion. Denn bei Aller Tage Abend geht es natürlich vor allem anderen um die Fiktion.

17.4.07 18:18


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