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Die liebliche Provinz (1)

Das Röhren der Motoren ließ Rianas Ohren singen. Sie spürte die Vibrationen bis hinauf in ihren vor Angst zusammen gekrampften Magen. Der Gestank von Öl und Ruß stieg ihr in die Nase, und zwei Gaslaternen blendeten sie, als der Kraftwagen vor ihr zum Stehen kam.

Insgesamt waren es vier der Gefährte, zählte Riana. Die breiten Speichenräder und die kantigen Kabinen waren mit Eisen beschlagen. Schmale Schlitze mit schrägen Blenden ermöglichten es den Insassen, nach draußen zu sehen, notfalls sogar bei Tag. Trichterförmige Ansaugstutzen versorgten den Motor im Heck mit Luft, und zwei gebogene Auspuffrohre ragten zwischen Motor und Kabine in die Höhe und spieen schwarzen Rauch aus. Vorn waren mehrere Rammsporne angebracht.

Ihr Lehrer an der Akademie in Nemeti hatte über die Verbrennungsmotoren gesagt, sie seien primitiv, störungsanfällig und auf ständigen Treibstoffnachschub angewiesen. Eine dumme Spielerei von Wissenschaftlern, die nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wüssten. Ein guter Levitationskristall sei jedem Verbrennungsmotor haushoch überlegen. Unwillkürlich legte Riana die Hand auf ihren Blitzwerfer. „Die Zeiten haben sich geändert, alter Mann“, murmelte sie.

Ächzend öffnete sich die Tür des Kraftwagens, und zwei schwarze, nietenbeschlagene Stiefel landeten im Staub. Riana blickte auf zu dem Barbaren aus dem Westen, der es wagte, sich im Herzen des Imperiums offen als Räuberbaron aufzuspielen.

Der Mann war groß, mindestens 1,90 Meter, breitschultrig und wohlgenährt. Er trug dickes schwarzes Leder, teilweise mit Nieten beschlagen, und darüber ein ärmelloses Kettenhemd. Sein langes, leuchtend rot gefärbtes Haar war an den Seiten rasiert und im Übrigen zu einem Zopf gebunden. Die rasierten Seiten seines Schädels zierten grobe Tätowierungen seiner heidnischen Götzen, Speerträger, umhüllt von Flammen. In seiner rechten Hand hielt er eine Schwarzpulverpistole mit trichterförmiger Mündung, in der linken ein Kriegsbeil.

Hinter ihm sprangen weitere Männer aus dem Wagen, ähnlich gekleidet wie ihr Anführer, und alle mit feuerrot gefärbtem Haar. Raue Männer, in deren Blick man vergebens nach Mitleid suchte. Einst dienten sie dem Imperium als Söldner, und wir hetzten sie auf unsere Feinde, rief sich Riana ins Gedächtnis. Sie straffte ihre Schultern.

„Oberst Rukor“, rief sie, so laut und fest sie konnte. „Im Namen des Imperiums fordere ich Euch auf, Eure Waffen niederzulegen und Euch dem Gesetz zu überantworten!“

Der Barbar musterte sie amüsiert von Kopf bis Fuß, dann ließ er seinen Blick über das nächtliche Dorf schweifen. Drei Dutzend Ziegelsteinhäuser mit verrammelten Türen, und ein Sonnentempel mit einem kleinen Glockenturm, vor dessen Toren einsam Riana stand. Die Uniform der Imperialen Garde glänzte golden im Licht der Gaslaternen. Der Helm verbarg ihr Haar, nicht jedoch ihr junges, weibliches Gesicht.

„Was meint ihr, Männer“, höhnte Rukor mit hartem westlichem Akzent. „Wollen wir unsere Waffen vor ihr niederlegen?“

„Flachlegen wollen wir sie“, keifte einer, dessen Haut von üblen Brandnarben gezeichnet war, wie man sie seit dem Beginn des Sonnenfeuers allzu oft antraf. „Flachlegen!“ Seine Zunge leckte nervös über seine vernarbten Lippen.

Riana riss den Blitzwerfer aus dem Halfter und aktivierte ihn. „Keinen Schritt weiter“, herrschte sie die Barbaren an und beobachtete voll grimmiger Befriedigung, wie diese verunsichert innehielten. Der Kristall im Innern des Blitzwerfers begann zu leuchten, doch es war nicht der beruhigende bläuliche Schimmer, den Riana aus früheren Zeiten kannte. Der Kristall glühte grell weiß, voller Intensität, und flackerte wild.

Heute war ein schlechter Tag. Die Sonne war unruhig gewesen, und der Kristall war es ebenfalls. Wenn sie den Blitzwerfer jetzt abfeuerte, konnte sonst was passieren. Vielleicht würde sie die Gesetzlosen vernichten, vielleicht aber auch das ganze Dorf. Riana spürte heiße Tränen der Enttäuschung in sich aufsteigen. Das war nicht fair!

„Komm schon, Mädchen, leg das Ding weg“, beschwichtigte Rukor. „Willst du uns alle umbringen? Ich verspreche, wir werden dir und deinen Schäfchen nichts tun. Wir fordern nur unseren Tribut.“

Einen Moment noch hielt Riana den Blitzwerfer mit zitternden Händen auf ihn gerichtet, dann ließ sie die Waffe sinken. „Hilf mir, Savor“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme, und ihre Finger suchten nach ihrem Schlagstock. Im nächsten Moment spürte sie einen harten Schlag, sah den Stock in den Staub segeln und fand sich am Boden wieder. Ihr Arm schmerzte, und ein unerträglicher Druck lastete auf ihrem Rücken. Durch das Rauschen in ihren Ohren hörte sie das schadenfrohe Lachen der Barbaren. Der Helm wurde ihr vom Kopf gerissen, jemand krallte die Finger in ihr kurzes, braunes Haar und zwang sie, den Kopf zu drehen. Sie starrte in Rukors dunkle Augen, in denen ein seltsames Feuer loderte.

„Dein Sonnengott kann dir nicht helfen, kleines Mädchen“, zischte er. „Hast du es noch nicht gehört? Er steht in Flammen! Die Speerträger der Weltenschmiede haben ihn mit ihren feurigen Lanzen durchbohrt. Was unsere Welt erschüttert, ist sein Todeskampf, und aus seiner Asche wird eine neue Weltordnung erstehen!“

Mit aller Kraft und Würde, die ihr noch verblieben war, spuckte Riana ihm ins Gesicht. „Eure gerechte Strafe wird Euch ereilen, mein Wort darauf“, presste sie hervor.

Rukor warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Sie ist eine richtige kleine Wildkatze“, rief er seinen Männern zu. „Wir werden unseren Spaß mit ihr haben! Haltet sie gut fest.“

Mehr Hände kamen hinzu und pressten Riana zu Boden, und jemand zerschnitt mit einem Messer ihre Uniform. Sie schrie und versuchte sich zu wehren, doch es war vergebens. Sie waren zu viele, und zu stark. Aus dem Augenwinkel sah Riana, wie andere Räuber aus den übrigen Kraftwagen sprangen, Türen einschlugen, lebenswichtige Sonnensegel zerschnitten, Vorräte und schreiende junge Frauen aus den Häusern zerrten.

Dann zwangen ihre Peiniger sie auf den Rücken, und sie sah den von Brandnarben entstellten Barbaren über sich aufragen. Mit zwei Fingern seiner Linken drang er brutal in sie ein, während er seine rechte mit Spucke befeuchtete und damit sein hässliches Glied in Form brachte. Riana schrie und wehrte sich, bis ihre Kräfte schwanden. Doch da waren sie noch lange nicht mit ihr fertig.

© Frank Tarcikowski

18.4.07 00:24
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Harald / Website (18.4.07 08:26)
Warum mußte es gleich eine Vergewaltigungsphantasie sein?


Frank (18.4.07 12:07)
Schlechter Einstieg, meinst du? Oder generell? Es passte bei der Geschichte halt so, mit der Szene anzufangen...


Frank (18.4.07 12:30)
Also um das näher zu erläutern. Ich habe nicht gesagt: „Ich will mit einer Vergewaltigung anfangen.“ Sondern ich habe die Geschichte von der letzten Szene zur ersten hin entwickelt, und dabei hat sich dann die Anfangsszene fast zwingend so ergeben. So kann das laufen, wenn Fiktion sich verselbständigt.

Ich denke aber, dass es auch zum Thema des Spiels passt. Vergewaltigung ist ja eines der Lieblings-Aufreger-Themen in Forendiskussionen, und das nicht ohne Grund. Aller Tage Abend ist keine leichte Kost, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche Gruppen damit auch solche Szenen spielen. Merke: Hier ganz besonders hätte die Spielerin der Hauptfigur es selbst in der Hand gehabt, gerade auch durch die Re-Roll-Regel, die Szene zu vermeiden, wenn sie sie nicht selbst gewollt hätte.


Harald / Website (18.4.07 16:50)
"Not my cup of tea." Wenn ich etwas positives sagen soll, dann fiele mir nur ein, dass gerade der letzte Satz ganz starke Bilder in mir hervorbeschworen hat - vor denen mich leider auch ein Augenschließen nicht bewahrt.

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