Aller Tage Abend
 



Aller Tage Abend
  Startseite
  Über...
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   BARBAREN!
   Wilde Lande Blog

Webnews



http://myblog.de/allertageabend

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Die liebliche Provinz (4)

„Ihr seid wach!“ Die Stimme drang wie durch dicke Watte zu ihr, und sie blinzelte, um den Sprecher besser zu erkennen, doch das Bild verschwamm. „Es tut mir leid, mein Zauber sollte eigentlich nur Eure Verfolger treffen“, fuhr die Stimme betreten fort. „Doch wie es aussieht, ist Magie eine unzuverlässige Dienerin dieser Tage.“

Riana blinzelte erneut und erkannte nun, dass sie sich in einem schlichten Gemach mit weiß getünchten Wänden befand. Das Fenster war mit Fensterläden und Vorhängen verschlossen, doch trotzdem konnte sie erkennen, dass dahinter Tageslicht herrschte. Zwischen zwei Wandkerzenhaltern hing ein verblichenes Ölgemälde von grünen Weinbergen. Riana lag in einem weichen Bett und war mit einem Laken zugedeckt.

An ihrem Bett saß ein Mann Ende vierzig, schlank, aber nicht so dürr wie jemand, der Hunger litt. Das Gesicht war glatt rasiert und furchig, das mittellange schwarze Haar von grauen Strähnen durchzogen, aber noch voll. Der Mann trug Hemd und Hose aus glänzend violettem Stoff, mit einem breiten Gürtel, auf dessen Schnalle das Sonnenemblem prangte.

„Ihr seid ein Thaumaturg“, bemerkte Riana mit belegter Stimme. „Ihr seid mutig, Eure Kräfte überhaupt noch zu gebrauchen.“

„Ich wage es nicht mehr oft“, antwortete er traurig, „weder die Hellsicht, meine Hauptdisziplin, noch andere Zauber. Doch vergebt meine Unhöflichkeit. Ich bin Pervon, einst hoher Thaumaturg des Gouverneurs von Vistoria. Ihr befindet Euch auf meinem Landsitz… meinem Ruhestandsdomizil.“

„Seid ihr nicht noch etwas zu jung für den Ruhestand?“ Riana war immer noch etwas benommen, daher fiel ihr zu spät auf, dass diese Frage recht unhöflich war.

Sarkasmus schwang in seiner Stimme mit, als er antwortete: „Ich wurde nicht aus Altersgründen ausgemustert.“

„Ich danke jedenfalls Savor, dass ihr zugegen wart, um mir zu helfen“, wechselte Riana schnell das Thema. „Und euch danke ich natürlich auch.“

Pervon zuckte die Achseln. „Es wurde ohnehin einmal Zeit, dieses Kultistenpack in seine Schranken zu weisen. Ein Mann hat heutzutage alle Hände voll zu tun, um seinen Besitz gegen jene zu verteidigen, die meinen, ihn sich einfach nehmen zu können.“

„Dann ist es also auch hier so schlimm“, murmelte Riana.

Der Thaumaturg nickte. „Die öffentliche Ordnung ist in ganz Benevia zusammengebrochen. Es war klug von euch, eure Uniform zu verstecken. Sie ist kein besonders beliebter Anblick mehr.“

Riana schlug betreten die Augen nieder. Eine Uniform hatten die Gesetzlosen zerschnitten, die andere, die sie besaß, hatte sie ganz unten in ihrem Rucksack verstaut. Sie war ohnehin nicht für den Straßenstaub gemacht, hatte sie sich eingeredet.

„Was ist mit Nemeti?“ fragte sie. „Dem Gouverneur? Der Gardeakademie? Dem Flottenstützpunkt? Ich bin auf dem Weg dorthin, um Hilfe für mein Dorf zu erbitten, das von eine Räuberbande bedroht wird.“ Schon während sie die Fragen aussprach, ahnte sie die Antwort.

„Die Flotte hat ihre Segler abgezogen“, erklärte Pervon. „Ein paar Kristallkreuzer liegen noch im Hafen, aber inzwischen sind sie ausgeschlachtet. Es würde ohnehin niemand wagen, sie einzusetzen. Der Gouverneur verschanzt sich in seinem Palast und scheißt auf die öffentliche Ordnung, solange er selbst in Sicherheit ist. Die meisten Gardisten, die noch in der Stadt sind, sind bei ihm. Die Akademie wurde schon vor Jahren geschlossen. Ich fürchte, euer Gesuch wird auf taube Ohren stoßen.“ Als er den Ausdruck in Rianas Gesicht sah, fügte er hinzu: „Es tut mir leid.“

Riana schüttelte den Kopf. „Ich werde es dennoch versuchen“, schwor sie. „Und wenn ich in Nemeti nichts erreiche, suche ich ein Schiff, das mich nach Savoria bringt.“ Sie richtete sich auf und spürte zu ihrer Überraschung nur ein leichtes Pochen in ihrer Hüfte. Über die Pfeilwunde spannte sich ein fachmännisch angelegter Verband. „Habt Ihr mich verbunden?“ fragte sie, halb dankbar, halb beschämt.

Der Thaumaturg schüttelte den Kopf. „Das war Lina, mein Hausmädchen. Sie und ihr Mann sind meine einzige Gesellschaft hier. Ich werde ihr gleich bescheid sagen, dass Ihr wach seid. Sie wird euch Essen und Trinken bringen. Ihr solltet noch ein wenig zu Kräften kommen, ehe ihr wieder aufbrecht.“

„Das ist sehr freundlich von Euch, doch ich habe wenig Zeit“, entgegnete Riana. „Jeder Tag zählt.“

Er lächelte, das erste Mal in ihrer Unterhaltung. „Es wird eurem Dorf nicht helfen, wenn Ihr Euch umbringt“, stellte er fest. „Aber ich sage Euch was. Ich wollte ohnehin demnächst nach Nemeti reisen, um einige Besorgungen zu machen. Ich werde das einfach ein wenig vorverlegen und euch begleiten. Was sagt Ihr?“

Kurz rangen Misstrauen und Dankbarkeit in Riana miteinander, doch dann siegte die Dankbarkeit, und sie erwiderte sein Lächeln. „Das wäre schön.“

© Frank Tarcikowski

21.4.07 02:17
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Harald / Website (23.4.07 18:10)
"You seem trustworthy.. Would you join our noble quest?"

Ganz nett, diese "Gruppenzusammenführung" Deiner 'thinly disguised fiction'-Protagonisten.


Frank (24.4.07 22:54)
Ha! Wart's ab!

(With a fucking siege weapon.)

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung